










In meiner Fotoserie „Der lange Abschied“ beschäftige ich mich seit 2021 mit einer konfliktgeladenen Landschaft: Dem Lausitzer Braunkohlerevier. Die Braunkohle ist aufgrund des hohen CO2-Ausstoßes bei der Verbrennung der klimaschädlichste aller Energieträger und damit trotz ihres geringen Wirkungsgrades direkt an der Erderwärmung beteiligt.
Eine notwendige Energiewende und überlebenswichtige Klimaziele erscheinen heute aufgrund von lange aufgeschobenen Ausstiegsplänen fast unerreichbar. Die Zuversicht eines segenbringenden Strukturwandels in Sachsen und Brandenburg wird durch politische Verwerfungen bedroht, weil Leugner des menschengemachten Klimawandels an Macht gewinnen.
Gegenüber dieser hitzigen Debatten stehen unbewegt und stumm die gewaltigen Abraumhalden der Tagebaue. Durch die Umschichtung gewaltiger Mengen an Material entstanden hier künstliche und anonyme Landschaften. Gigantische Bagger, Kühltürme und Dampfwolken erheben sich über diese offenen Wunden.
Die Perspektive meiner Serie ist inspiriert von Werken der romantischen Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts. Diese konfrontierte ihre Betrachter*innen mit der Ursprünglichkeit und der erhabenen Kraft der Natur oder inszenierte spektakuläre Wetterphänomene. Überwältigend sind auch die Landschaften des Tagebaus, ihre unfassbare Weite und fremdartige Oberfläche – vielleicht sind sie sogar unheimlich schön?